Interview with Robin Baumann of German post-hardcore band Venues (German version)

Original version. Click here for the (translated) English version.

Cristina: Ihr habt die Band ja vor gut drei Jahren gestartet. Wie würdet ihr eure Erfahrungen in der
Musikszene bisher beschreiben?

Robin: Als alles begann, war das Ganze für uns noch eher eine Art Hobby und Spiel. Man spielte ein paar kleinere Shows, feierte danach ordentlich und hatte einfach Spaß. Dann war man zufrieden. Mittlerweile steckt da eine etwas andere Motivation bei uns dahinter. Wir alle investieren sehr viel Zeit, Energie und auch Geld in das Projekt um unsere Musik, Shows und Videos so umzusetzen, wie wir das gerne hätten. Generell haben wir aber bisher überwiegend Positives erleben dürfen. Gerade jetzt ist das Feedback zu unserem ersten Album enorm gut, was uns wirklich zu stolzen Eltern macht.

C: Erzählt mal von eurer Zeit im Studio und wie es war, euer Debut-Album aufzunehmen. Wie war die Arbeitsatmosphäre?

R: Die Zeit im Studio war total entspannt und für mich persönlich eine der besten Zeiten, die ich in den letzten Jahren erlebt habe. Wir kamen tatsächlich ganz gut vorbereitet ins Studio, wodurch alles relativ reibungslos ablief. Während einer seine Parts einspielte oder einsang, schauten die anderen zu und kamen manchmal noch mit kleinen Ideen und Verfeinerungen an. Es ist einfach ein richtig gutes Gefühl, wenn man sieht wie ein Song langsam zusammengebaut wird und man am Ende endlich das finale Resultat hören kann.
Auch die Zusammenarbeit mit unserem Producer Christoph Wieczorek (ANNISOKAY) war absolut cool und hat nochmal stark zu der entspannten Atmosphäre beigetragen.

C: Wovon handeln die Songs auf eurer ersten Platte „Aspire“?

R: Jeder Song behandelt natürlich ein etwas anderes Thema, aber generell fasst vor allem ‚We Are One‘ das Album ziemlich gut zusammen. Wir leben in einer komplett vernetzten und internationalen Welt, in der ironischerweise eine immer stärkere Isolation stattfindet. ‚Aspire‘ soll eine Art Weckruf sein, im echten Leben auf andere Menschen zuzugehen. Wir sind in der digitalen Welt gefangen und verschließen uns emotional und geistig vor so vielen Dingen, dass uns einiges entgeht. Dabei gibt es so viele Menschen da draußen, die dieselben Ängste und Probleme haben wie du und diese richtig kennenzulernen würde dir mehr helfen, als jede Medizin. Allerdings sind auch einige persönliche Songs, über Liebe, Trennung und all ihre Hürden auf dem Album. Am besten einfach mal reinhören und selbst interpretieren. 😉

C: Inwieweit stechen Venues eurer Meinung nach im Gegensatz zu anderen, ähnlichen Bands heraus?

R: Ich glaube was uns relativ speziell in der Szene macht, ist die Kombination aus weiblichen Clean-Vocals und männlichen Shouts. Das gibt es tatsächlich relativ selten und wenn, dann auch eher in anderer Genre-Form. Außerdem denke ich, dass uns die relativ catchigen Melodien ausmachen, die wir beim Clean-Gesang und Lead-Gitarre verwenden. Als drittes würde ich noch unsere Live-Shows aufzählen, bei denen definitiv eine krasse Energie im Vordergrund steht.

C: Im Anschluss zur letzten Frage: Heutzutage kann man ja fast von Musikinflation sprechen, es kommen ständig neue Bands auf den Markt. Was muss man als Band oder als Künstler eurer Meinung nach tun, um sich im Jahr 2018 und in der Zukunft einen Namen machen und irgendwann von der Musik leben zu können? Wie arbeitet ihr diesem Ziel entgegen?

R: Definitiv! Der Markt ist voll mit Newcomer-Bands (teilweise mit enorm guten!). In der heutigen Zeit muss man auf jeden Fall eine gewisse Portion Do-It-Yourself mitbringen um sich überhaupt mal aus der großen Masse halbwegs abzuheben. Wenn du’s nicht selbst tust, tut es nämlich garkeiner. Fit sein im Bereich Social Media, denn hierüber erreichst du deine potenziellen Fans. Du solltest bereit sein einiges zu investieren (Zeit, Energie, Geld) und du solltest natürlich irgendeine musikalische Relevanz haben, die die Leute auch interessiert. Und deine Audio- und Videoproduktionen sollten möglichst auf dem neusten Stand sein. Das würde ich wohl jeder jungen Band so raten. Von der Musik wirklich leben zu können ist allerdings ein anderes Thema. Darüber wissen wir auch noch nicht viel. Haha.
Um das aber vielleicht mal zu erreichen, halten wir die oben genannten Ratschläge ein.

C: Welches Ziel habt ihr vor Augen, wenn ihr Musik schreibt und spielt, bzw. was hofft ihr, dass durch eure Musik bei euren Fans und Hörern ankommt?

R: Ein direktes Ziel beim Schreiben haben wir so nicht. Wir schreiben die Songs so, wie wir sie cool finden. Beim Spielen dann wiederum hoffen wir natürlich, dass auch die Hörer das Ganze cool finden. 😉
Aber nein. Wir haben schon einige Mails von Leuten erhalten, die uns geschrieben haben, wie unsere Songs sie schwere Zeiten haben überstehen lassen. Das motiviert natürlich enorm, wenn deine Songs manchen Menschen so viel bedeuten.
Live hingegen gibt es wohl kein besseres Gefühl, als wenn die Besucher alles mitsingen können und bei den entsprechenden Passagen richtig ausrasten. Genau so soll das sein!

C: Mit welcher/n Band/s würdet ihr gerne mal auf Tour gehen?

R: Ich glaube da hat jeder in der Band einen anderen Favoriten. Auf wen wir uns aber definitiv alle einigen könnten, wären Bring Me The Horizon.
Ein persönlicher Traum von mir wäre noch My Chemical Romance.

C: Etwas klischeehaft, aber trotzdem spannend: Was wollt ihr als Band in 10 Jahren erreicht haben?

R: Immer noch fleißig so viele Shows, mit so viel Energie wie möglich spielen zu können! Gerne dann aber auch vor deutlich größerem Publikum als jetzt noch. 😉

C: Habt ihr irgendwelche Pre-Show-Rituale?

Eigentlich nicht. Kurz bevor es auf die Bühne geht wird nochmal fleißig umarmt, abgeklatscht und etwas geblödelt.

R: Und zum Schluss: Wie geht das Jahr 2018 für Venues weiter?
Neben dem Summer Breeze, was unsere bis jetzt größte Show wird, spielen wir auch noch eine kleine Tour im September mit unseren Freunden von Desasterkids.
Ansonsten warten wir gespannt, wie ‚Aspire‘ beim Rest der Welt ankommt und hoffen auf viele weitere Shows!

Vielen Dank an Robin für das Interview.

Das Review zu “Aspire” (Englisch) findet ihr hier.

Original version. Click here for the English version.

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